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Tantramassage – Eine neue Welt der Berührung entdecken

Tantramassage – Eine neue Welt der Berührung entdecken

in Neuigkeiten, Substack

Wie Tantramassage uns helfen kann, uns selbst neu zu entdecken.

Was ist eigentlich eine Tantramassage?

Im letzten Artikel haben wir uns der Frage gewidmet, was wir unter Sexologischer Körperarbeit verstehen. Darin habe ich geschrieben, dass die Tantramassage vor allem ein Erfahrungsraum ist.

Dies ist ein Artikel vom Substack – Die Reise zur eigenen Körperweisheit.

Daraufhin kamen verständlicherweise Fragen:

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Erfahrungsraum und einem Lernraum?

Denn natürlich lernen wir auch in Erfahrungsräumen. Und umgekehrt machen wir auch in Lernräumen Erfahrungen.

In unserem Verständnis sind Lernräume meist Teil eines fortlaufenden Prozesses. Es gibt ein konkretes Anliegen, eine Ausrichtung und eine Begleitung über mehrere Sitzungen hinweg.

Ein Erfahrungsraum hingegen ist zunächst einmal in sich geschlossen. Er braucht nicht zwingend ein bestimmtes Anliegen oder Ziel. Ich kann mich einfach in diesen Raum begeben und neugierig werden, was in mir geschieht.

Gerade dieses Ziellose – oder in unserer Sprache diese Absichtslosigkeit – ist für viele Menschen etwas zutiefst Wertvolles. Denn ein grosser Teil unseres Lebens und oft auch unserer Sexualität ist von Zielen, Erwartungen und Leistung geprägt.

Einen Raum zu betreten, in dem nichts erreicht werden muss, sondern ich einfach sein, spüren und erfahren darf, ist für viele Menschen ein grosses Geschenk.

Die folgende Übersicht zeigt die wesentlichen Grundlagen unseres Verständnisses der Tantramassage:

Warum ist Absichtslosigkeit ein zentrales Element der Tantramassage?

Doch weshalb ist diese Absichtslosigkeit überhaupt ein so zentrales Element der Tantramassage?

Um diese Frage zu beantworten, kommen wir mit einem sehr existenziellen Thema des Menschseins in Berührung.

Wir Menschen besitzen die wunderbare Fähigkeit, uns an Vergangenes zu erinnern und uns die Zukunft vorzustellen. Wir können planen, Visionen entwickeln und uns ausmalen, was noch kommen könnte.

Das ist ein grosses Geschenk. Und gleichzeitig eine grosse Bürde. Denn genau diese Fähigkeit macht es uns oft so schwer, ganz im Hier und Jetzt anzukommen – in diesem einen Moment, in der Verbindung mit uns selbst und unserem Körper, in der Begegnung mit einem anderen Menschen oder vielleicht auch mit etwas Grösserem.

Im Kern erzählt auch die biblische Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies genau davon. Der Mensch wurde sich seiner selbst bewusst. Seit Anbeginn der Menschheit suchen wir deshalb Wege, wieder in diesen Zustand unmittelbarer Gegenwärtigkeit zu finden. Meditation, Yoga, Atemarbeit, Rituale, Pflanzenmedizin oder andere bewusstseinsverändernde Substanzen sind Ausdruck dieser Suche. Und auch die Sexualität – oder genauer gesagt die sexuelle Energie – gehört seit jeher zu diesen Wegen.

In vielen Weisheitstraditionen, etwa im Tantra oder im Taoismus, gilt sie als eine der kraftvollsten Lebensenergien überhaupt. Nicht deshalb, weil sie möglichst intensiv erlebt werden soll, sondern weil sie kultiviert werden kann und dadurch unser Bewusstsein verändert.

In ihrem Buch „Tantra und Meditation“ stellen Elmar und Michaela Zadra eine einfache und zugleich radikale Frage: Wozu meditieren wir eigentlich?

Die kurze Antwort lautet:

Für nichts.

Genau darin liegt die Herausforderung. Denn sobald ich meditiere, um entspannter zu werden, um gesünder zu sein oder um spirituelle Erfahrungen zu machen, bin ich bereits wieder bei einem Ziel angekommen. Ich bin nicht mehr ganz im gegenwärtigen Moment. Für die längere Antwort haben Elmar und Michaela Zadra ein ganzes Buch geschrieben. 😊

Für mich lässt sich dieser Gedanke unmittelbar auf die Tantramassage übertragen.

Wozu machen wir eine Tantramassage?

Meine Antwort lautet auch hier:

Für nichts.

Und genau das macht sie für viele Menschen so ungewohnt. Wir leben in einer Welt, in der fast alles einen Zweck erfüllen soll. Wir gehen ins Yoga für unsere Gesundheit, meditieren gegen Stress und treiben Sport für unsere Fitness. Daran ist überhaupt nichts falsch. Im Gegenteil – all das kann sehr wertvoll sein. Gleichzeitig gibt es dadurch immer weniger Räume, in denen wir einfach sein dürfen, ohne etwas erreichen zu müssen.

Gerade in der Sexualität wird das besonders deutlich. Sexualität ist häufig mit Erwartungen verbunden. Mehr Lust. Mehr Erregung. Ein Orgasmus. Nicht zu früh. Nicht zu spät. Nicht zu wenig. Nicht zu viel. Viele Fragen, mit denen Menschen zu uns kommen, drehen sich genau um diese Ziele.

Die Tantramassage eröffnet einen anderen Raum. Einen Raum, in dem all diese Ziele für einen Moment in den Hintergrund treten dürfen. Es spielt keine Rolle, ob Lust entsteht oder nicht. Ob Erregung da ist oder ausbleibt. Ob Scham auftaucht, Freude, Unsicherheit oder tiefe Entspannung. Alles, was sich zeigt, darf zunächst einmal da sein, ohne bewertet oder verändert werden zu müssen.

Gerade darin liegt für mich das eigentliche Geschenk der Tantramassage. Sie lädt uns ein, für einen Moment nichts erreichen zu müssen. Nicht besser werden zu müssen. Nicht funktionieren zu müssen. Sondern einfach neugierig zu werden auf das, was in diesem Augenblick in uns lebendig ist.

Der rituelle Raum

Eine Besonderheit der Tantramassage ist der rituelle Raum. Wobei wir grundsätzlich sowohl Lern- als auch Erfahrungsräume als rituelle Räume verstehen.

Es gibt die schöne Unterscheidung zwischen dem Alltagsraum und dem heiligen Raum. Für manche Menschen ist das Wort heilig vielleicht ungewohnt oder religiös besetzt. Im Grunde beschreibt es jedoch einfach einen transformativen Raum. Einen Raum, der einen bewussten Anfang und ein bewusstes Ende hat und in dem andere Regeln gelten als im Alltag.

In der Tantramassage wird dieser Raum durch ein Einstiegsritual eröffnet. Dieses Ritual macht spürbar: Jetzt beginnt etwas anderes.

Vor allem hilft es jedoch, den Menschen aus dem Alltag herauszuführen. Viele Menschen kommen gestresst, angespannt oder mit einem vollen Kopf in eine Tantramassage. Bevor überhaupt Berührung stattfindet, geht es deshalb darum, anzukommen. Den Körper wahrzunehmen. Den Atem zu spüren. Langsam bei sich selbst anzukommen.

Erst daraus entsteht der eigentliche Erfahrungsraum. Und erst dann zeigt sich, wohin die Reise gehen kann.

Ebenso wichtig ist das bewusste Ende. Gerade weil die Tantramassage ein sehr naher und intimer Raum ist, entstehen leicht Verschmelzungstendenzen. Besonders wenn die Begegnung sehr berührend war, kann sie vieles im Menschen auslösen. Wir erleben immer wieder, dass sich Menschen verlieben oder zumindest sehr starke Gefühle entwickeln, weil sie eine solche Form von Präsenz und Zuwendung vielleicht noch nie oder schon lange nicht mehr erlebt haben.

Gerade deshalb sind die Klarheit des Rituals, die Rollen und der zeitlich begrenzte Rahmen so wichtig. Sie geben Orientierung und Sicherheit und helfen, den Erfahrungsraum bewusst wieder zu verlassen.

Rollenverteilung

Mit dem rituellen Raum verbunden ist eine klare Rollenverteilung.

Es gibt eine gebende und eine empfangende Rolle. Wobei ein Teilnehmer kürzlich den Satz gesagt hat, der mir sehr gefallen hat:

„Eigentlich geht es gar nicht ums Geben, sondern ums Begleiten.“

Genau das beschreibt unsere Haltung sehr gut.

Die gebende Person ist Begleiterin oder Begleiter und gleichzeitig Raumhalterin oder Raumhalter. Sie begleitet die Reise der empfangenden Person, ohne diese zu steuern oder zu übernehmen.

Dabei ist uns noch etwas wichtig:

Ich diene nicht in erster Linie der empfangenden Person. Ich diene dem Raum.

Natürlich begleite ich den Menschen. Gleichzeitig kann es vorkommen, dass Wünsche oder Bedürfnisse auftauchen, die nicht zu diesem Raum gehören. Dann ist es meine Verantwortung, den Rahmen zu halten. Denn der geschützte Raum ist wichtiger als die Erfüllung einzelner Wünsche.

Diese Haltung gilt ebenso für die gebende Person selbst.

Es gibt den schönen Satz:

„Love yourself first.“

Gerade Menschen, die beginnen Tantramassage zu lernen, erleben wir häufig dabei, wie sehr sie sich anstrengen, sich aufopfern oder alles richtig machen möchten.

Doch das ist nicht der Weg.

Der Weg beginnt damit, mit sich selbst verbunden zu sein. Eine gute Sitzposition einzunehmen. Den eigenen Körper wahrzunehmen. Die eigenen Grenzen ernst zu nehmen. Erst aus dieser inneren Verbindung heraus kann ich einen Raum wirklich halten und einen anderen Menschen begleiten.

Selbstkontakt

Damit sind wir bei einem der zentralsten Elemente der Tantramassage angekommen:

dem Selbstkontakt.

Wir arbeiten hier gerne mit dem Bild eines Leuchtturms.

Gerade in nahen Beziehungen und intimen Begegnungen erleben wir immer wieder, dass Menschen viel zu stark beim Gegenüber sind und dabei den Kontakt zu sich selbst verlieren. Dasselbe zeigt sich auch in der Tantramassage, besonders am Anfang einer Ausbildung.

Deshalb vermitteln wir eine einfache Grundregel:

  • 80 % bei mir
  • 15 % im Raum
  • 5 % beim Gegenüber

Viele Menschen sind zunächst überrascht.

“Nur fünf Prozent beim Gegenüber? Dann weiss ich doch gar nicht, was dort passiert.”

Unsere Erfahrung ist genau die gegenteilige.

Je tiefer ich mit mir selbst verbunden bin, desto feiner kann ich wahrnehmen, was im Raum geschieht. Ich muss mich nicht im anderen verlieren, um in Resonanz zu sein.

Dadurch entsteht eine ganz neue Fähigkeit:

Ich beginne zu unterscheiden, was zu mir gehört und was zum Gegenüber.

Wenn ich während einer Massage Traurigkeit wahrnehme, kann ich mich fragen:

Berührt diese Situation etwas in meiner eigenen Geschichte? Oder nehme ich die Traurigkeit des anderen Menschen in Resonanz wahr?

Dasselbe gilt für sexuelle Erregung.

Entsteht sie gerade in mir? Oder nehme ich etwas wahr, das sich im Gegenüber bewegt?

Diese Unterscheidung wird mit der Zeit immer feiner und ist für uns ein wesentlicher Teil der Forschungsreise.

Vielleicht erleben wir deshalb auch häufig etwas Überraschendes: Viele Menschen kommen mit der Vorstellung in unsere Kurse, sie möchten lernen, eine Tantramassage zu geben.

Nach einiger Zeit sagen sie etwas ganz anderes:

„Eigentlich muss ich lernen, eine Tantramassage zu empfangen.“

Denn sich wirklich auf einen anderen Menschen einzulassen, die Kontrolle loszulassen, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und gleichzeitig verletzlich und mit sich selbst verbunden zu bleiben, ist oft ein viel grösserer Lernweg, als Menschen zu Beginn vermuten.

Ganzheitliche Berührung

Nun kommen wir zu einem weiteren zentralen Element der Tantramassage: der Ganzheitlichkeit.

Natürlich gibt es viele Formen von Massage und Körperarbeit, die sich als ganzheitlich verstehen. Ich möchte daraus keinen Konkurrenzkampf machen. Und doch würde ich sagen, dass die Tantramassage in zweifacher Hinsicht noch einen Schritt weitergeht.

Die erste Ebene betrifft unseren Blick auf den Körper.

Ich spreche hier gerne von einer Demokratie der Körperteile.

Es gibt dieses schöne Gedicht, in dem sich die verschiedenen Körperteile darüber streiten, wer der Wichtigste ist. Alle haben gute Argumente – und am Ende gewinnt der Anus. 😊

Doch das ist keine Demokratie.

Demokratie bedeutet, dass alle Körperteile gleichberechtigt sind. Sie unterscheiden sich in ihrer Funktion, darin, wie sie fühlen, wie empfindsam sie sind und auf welche Berührungen sie reagieren. Doch kein Körperteil ist wichtiger als ein anderes.

Genau diese Haltung versuchen wir in der Tantramassage zu leben. Ein Finger ist nicht wichtiger als ein Penis. Ein Zeh nicht wichtiger als eine Brust. Die Schulter nicht wichtiger als die Vulva. Kein Körperteil steht über einem anderen.

Gerade bei den Genitalien beobachten wir jedoch ein spannendes Phänomen. In den meisten Massageformen sind sie – aus guten Gründen – nicht Teil der Berührung. Dort verläuft eine klare Grenze.

In der Tantramassage kann diese Grenze entfallen, wenn die empfangende Person das möchte. Dadurch entsteht jedoch eine neue Herausforderung. Weil intime Berührung im Alltag und auch in anderen Methoden so selten vorkommt, fällt plötzlich sehr viel Aufmerksamkeit auf die Genitalien. Und schon entsteht wieder ein Ungleichgewicht.

Unsere Haltung ist deshalb eine andere.

Die Genitalien sind weder wichtiger noch unwichtiger als alle anderen Körperteile. Sie gehören selbstverständlich zum Körper – nicht mehr und nicht weniger.

Das klingt in der Theorie einfach. In der Praxis ist es oft ein langer Weg. Denn gerade die Genitalien sind für viele Menschen mit Scham, Angst, Verletzungen oder Leistungsdruck verbunden. Eine wirkliche Gleichberechtigung aller Körperteile entsteht deshalb nicht durch einen Gedanken, sondern durch viele Erfahrungen.

Doch Ganzheitlichkeit bedeutet für uns noch etwas Zweites.

Es geht nicht nur darum, den ganzen Körper zu berühren.

Es geht darum, dem ganzen Menschen zu begegnen.

Das ist übrigens nicht nur unser Anspruch an die Tantramassage, sondern an alle Formen der Körperarbeit, die wir am ISSB vermitteln.

Wir möchten Menschen nicht nur körperlich berühren. Wir möchten, dass sie sich auch innerlich berührt fühlen. In ihrem Herzen. In ihren Gefühlen. Vielleicht auch in ihrer Seele.

Der Mensch soll sich gesehen, willkommen und genährt fühlen – körperlich, emotional und seelisch. Gerade darin liegt die grosse Sehnsucht vieler Menschen. In einer Zeit, die von Geschwindigkeit, ständiger Erreichbarkeit und digitalen Reizen geprägt ist, werden solche Räume immer seltener. Umso wertvoller kann es sein, einen Ort zu haben, an dem nichts erreicht werden muss und wir einfach wieder bei uns selbst ankommen dürfen.

Erfahrungsraum

Den Unterschied zwischen Lernraum und Erfahrungsraum habe ich bereits weiter oben beschrieben. Trotzdem ist mir an dieser Stelle noch eine Ergänzung wichtig.

Natürlich kann auch eine Tantramassage Teil eines Lernprozesses sein. Wir begleiten Menschen über längere Zeit und nutzen die Tantramassage durchaus als Methode innerhalb einer Prozessbegleitung.

Wenn wir uns jedoch noch einmal auf den Kern des Tantra besinnen, geht es um etwas anderes.

Es geht darum, in diesem Moment anzukommen.

In der Verbindung mit mir selbst.

Mit dem anderen Menschen.

Und vielleicht mit etwas Grösserem.

Im Taoismus gibt es dazu ein Bild, das mich seit vielen Jahren begleitet.

Es gibt die weltliche Achse. Sie beschreibt unser Leben als Zeitstrahl. Wir befinden uns immer an einem bestimmten Punkt unseres Lebens. Und trotzdem ist unser Geist häufig ganz woanders. Wir denken über Vergangenes nach oder beschäftigen uns mit der Zukunft.

Unser Körper ist hier.

Unser Geist oft nicht.

Dem gegenüber steht die göttliche Achse. Sie verläuft quer zur Zeit. Immer dann, wenn wir wirklich präsent werden, berühren wir diese Dimension. Wir erleben Verbindung – mit uns selbst, mit dem Leben und manchmal auch mit etwas, das grösser ist als wir selbst.

Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb mich Christopher Nolans Film Interstellar immer wieder so berührt. Dort gibt es die wunderschöne Idee, dass Liebe die Kraft ist, die Raum und Zeit überwinden kann.

Denn genau darum geht es für mich auch in der Tantramassage.

Ja, es geht um Sexualität.

Ja, es geht um Lust.

Ja, es geht um Erregung.

Doch in der Essenz geht es um etwas Tieferes.

Es geht um Liebe.

Wir nutzen die sexuelle Energie nicht als Selbstzweck, sondern als Möglichkeit, mehr Verbundenheit mit uns selbst und dem Leben zu erfahren.

Integration

Zu jedem transformativen Raum gehört auch die Integration.

Im Yoga gibt es dafür die Savasana, die Schlussentspannung. Obwohl die eigentliche Praxis bereits beendet ist, gilt gerade sie für viele als einer der wichtigsten Momente.

Ähnlich verstehen wir auch das Nachruhen in der Tantramassage.

Nach dem Ritual zieht sich die begleitende Person bewusst aus dem direkten Kontakt zurück. Es wird nicht mehr berührt, nicht mehr gehalten, nicht mehr begleitet. Die Raumhalterin oder der Raumhalter bleibt zwar präsent, nimmt nun aber die Rolle einer Zeugin oder eines Zeugen ein.

Dadurch entsteht ein stiller Raum, in dem die empfangende Person ganz bei sich nachspüren kann.

Oft beginnt die eigentliche Integration genau dort.

Natürlich endet dieser Prozess nicht mit dem Ritual. Er setzt sich häufig über Stunden oder Tage fort.

Wir lesen in unseren Ausbildungen Hunderte von Protokollen über Tantramassagen. Und auch nach bald zwanzig Jahren staune ich immer wieder, was in zwei Stunden geschehen kann.

Wenn Menschen wirklich präsent sind, wenn sie sich selbst begegnen und den Mut haben, das wahrzunehmen, was in ihnen lebendig wird, entstehen oft überraschende Erkenntnisse. Plötzlich werden alte Muster sichtbar. Neue Erfahrungen möglich. Zusammenhänge erkennbar.

Dieses Staunen hat mich bis heute nicht verlassen.

Vielleicht ist genau das das grösste Geschenk der Tantramassage.

Nicht, dass sie Menschen verändert.

Sondern dass sie ihnen einen Raum eröffnet, in dem sie sich selbst auf eine neue Weise begegnen können.

Das, was ich in diesem Artikel beschrieben habe, ist unser Verständnis von Tantramassage. Es ist eine Haltung, die über viele Jahre aus Erfahrung, Praxis und der Begleitung unzähliger Menschen gewachsen ist. Vieles hat sich in dieser Zeit weiterentwickelt, manches ist differenzierter geworden. Doch der Kern ist derselbe geblieben.

Gleichzeitig ist uns wichtig zu betonen, dass dies nicht die einzige Sichtweise auf Tantramassage ist. Für manche Menschen ist sie vor allem eine Form tiefer Entspannung oder Wellness. Für andere steht die sinnliche oder erotische Erfahrung im Vordergrund. Auch das hat seine Berechtigung.

Wir sehen in der Tantramassage jedoch einen Erfahrungsraum, der weit über diese Aspekte hinausgehen kann. Einen Raum, der uns einlädt, mit unserem Körper, unserer Sexualität und letztlich mit uns selbst in einen tieferen Kontakt zu kommen. Einen Raum, in dem wir für einen Moment nichts erreichen müssen – sondern einfach erfahren dürfen, was in uns lebendig ist.

Wenn dieser Artikel deine Neugier geweckt hat und du diesen Erfahrungsraum nicht nur verstehen, sondern selbst erleben möchtest, freuen wir uns, dich in einem unserer Kurse zu begrüssen.

Einführungstag in Tantramassage an. Ein wunderbarer Einstieg, an dem die Teilnehmenden ein sinnliches Massageritual im Geben und Empfangen kennenlernen.

https://bodyworkcenter.ch/kurse/tantramassage/einfuehrungstag-tantramassage/

Wer gerne intensiver eintauchen möchte, findet vom im Tantramassage-Sommer-Intensivkurs mit Petra einen vertieften Erfahrungs- und Lernraum. Dort vermitteln wir das vollständige Tantramassage-Ritual mit einer Vertiefung der Intimmassage.

https://bodyworkcenter.ch/kurse/tantramassage/tantramassage-lernen-intensivkurs/

https://bodyworkcenter.ch/wp-content/uploads/sites/7/2026/07/Tantramassage-–-Eine-neue-Welt-der-Beruehrung-entdecken.jpg 1024 1536 Simon https://bodyworkcenter.ch/wp-content/uploads/sites/7/2022/10/Logo-ISSB-2022-Web.png Simon2026-07-06 20:47:042026-07-26 11:36:29Tantramassage – Eine neue Welt der Berührung entdecken
Was ist eigentlich Sexologische Körperarbeit?

Was ist eigentlich Sexologische Körperarbeit?

in Lehrgänge, Substack, Workshops

Immer wieder stellen wir fest, dass Menschen Sexologische Körperarbeit nur schwer einordnen können. Manche denken an Tantramassage, andere an Therapie oder Sexualpädagogik. Tatsächlich berührt sie all diese Bereiche und unterscheidet sich gleichzeitig wesentlich von ihnen.

Dies ist ein Artikel vom Substack – Die Reise zur eigenen Körperweisheit.

In diesem Text geht es deshalb weniger um die Geschichte der Sexologischen Körperarbeit oder um die Menschen, die sie ursprünglich geprägt haben – wie Joseph Kramer, Isa Magdalena oder Jack Morin. Vielmehr möchten wir aufzeigen, was den Kern dieser Arbeit ausmacht und wie wir diesen Ansatz am ISSB in Zürich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt haben.

Die Grafik am Anfang dieses Artikels soll dabei eine erste Orientierung geben.

Sexologische Körperarbeit ist für uns eine Form bewusstseinsorientierter Körperarbeit. Wie andere körperorientierte Ansätze arbeitet sie mit Wahrnehmung, Präsenz und Verkörperung. Ihr besonderes Merkmal besteht jedoch darin, dass sie auch Sexualität und sexuelle Erregung bewusst als Lernfeld einbezieht.

Gerade darin unterscheidet sie sich auch von vielen Formen der Tantramassage. Tantramassage eröffnet häufig wertvolle Erfahrungsräume. Sexologische Körperarbeit ergänzt diese um einen bewussten Lernraum. Im Zentrum steht nicht in erster Linie das Erlebnis, sondern die Frage:

Was lerne ich über mich, meinen Körper und meine Sexualität?

Das Ziel ist dabei eine selbstbestätigte Sexualität. Eine Sexualität, die nicht von äusseren Reizen, Fantasien oder der Bestätigung anderer Menschen abhängig ist, sondern zunehmend aus einer verkörperten Selbstführung heraus entsteht. Die Fähigkeit, den eigenen Körper, die eigene Erregung und die eigene sexuelle Energie bewusst wahrzunehmen, zu regulieren und lebendig zu gestalten.

Damit kommen wir zur eigentlichen Grundlage der Sexologischen Körperarbeit:

Sexuelles Lernen

Müssen Menschen Sexualität lernen?

Als Sexualpädagoge unterrichte ich seit vielen Jahren auch Jugendliche. Eine Frage, die ich ihnen immer wieder stelle, lautet:

Kann man Sexualität lernen?

Die Antworten reichen von einem klaren Nein bis hin zu «Learning by doing». Je häufiger man Sexualität erlebt, desto besser wird man darin – so die verbreitete Vorstellung.

Und genau diesem Gedanken begegne ich auch bei vielen Erwachsenen.

Auf den ersten Blick klingt das durchaus plausibel. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass Lernen so nicht funktioniert. Oder vielleicht genauer gefragt:

Was genau möchten Menschen überhaupt lernen?

Geht es darum, häufiger Sex zu haben? Mehr Orgasmen zu erleben? Techniken zu beherrschen? Oder geht es letztlich darum, den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen, die eigene Erregung differenzierter zu erleben und Sexualität freier gestalten zu können?

Erfahrung ist noch kein Lernen

Das Beispiel, das ich hier gerne verwende, ist die männliche Masturbation.

Studien zeigen sehr eindeutig, dass viele Männer von der Pubertät bis ins hohe Alter regelmässig masturbieren. In jungen Jahren kann das durchaus mehrmals täglich sein. Mit zunehmendem Alter wird es oft etwas weniger, für viele Männer bleibt Selbstbefriedigung jedoch über Jahrzehnte ein regelmässiger Bestandteil ihres Lebens.

Meine einfache Rechnung lautet: Beginnt ein Mann mit fünfzehn Jahren und masturbiert bis zum Alter von fünfundvierzig durchschnittlich dreihundertmal pro Jahr, kommen rund 9000 Wiederholungen zusammen.

Aus Sicht der Trainingslehre wäre dieser Mann ein Profi.

Die spannende Frage lautet jedoch:

Was hat er in diesen 9000 Wiederholungen eigentlich gelernt?

Bei Spitzensportlern entstehen Höchstleistungen nicht allein durch Wiederholung. Entscheidend ist das, was in der Lernforschung als deliberate practice bezeichnet wird: bewusstes Üben. Es geht darum, aufmerksam zu sein, Rückmeldungen wahrzunehmen, Gewohnheiten zu hinterfragen, Neues auszuprobieren und die eigenen Fähigkeiten Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.

Genau das findet beim sexuellen Lernen häufig nicht statt.

Bei vielen tausend Menschen, die ich in den letzten zwanzig Jahren begleiten durfte – mich selbst eingeschlossen –, wurde ein bewusstes Lernen von Sexualität nie vermittelt.

Wenn ich mich richtig erinnere, stand davon auch nichts bei Dr.-Sommer im Bravo. Und auch meine eher rudimentäre Sexualpädagogik Ende der 1980er-Jahre beschäftigte sich vor allem mit den biologischen Aspekten von Sexualität. Wie Fortpflanzung funktioniert, welche Verhütungsmittel es gibt oder wie sich der Körper in der Pubertät verändert.

Wie man Sexualität bewusst lernen kann, darüber wurde kaum gesprochen.

Natürlich hat sich seit damals vieles verändert. Gerade Jugendliche verfügen heute über deutlich mehr Wissen rund um Sexualität, als meine Generation damals hatte. Immer wieder staune ich, was Jugendliche mit fünfzehn oder sechzehn Jahren bereits wissen – oder mit welchen Themen sie heute schon konfrontiert werden.

Und trotzdem würde ich nach fast zwanzig Jahren in diesem Beruf sagen:

Wissen ist heute selten das eigentliche Problem.

Wenn wir zum Beispiel mit dem Mann zurückkehren, ist das Ziel seines sexuellen Lernens meist klar: mehr oder weniger direkt zum Orgasmus zu gelangen. Die Handbewegung bleibt über Jahre dieselbe, ebenso Tempo, Druck, Fantasie und Körperhaltung. Natürlich gibt es auch viele kreative und vielfältige Formen, doch viele Menschen bewegen sich über Jahre in denselben Mustern.

In vielen Kursen und Vorträgen begegnet mir dabei ein entspannter Pragmatismus. Viele Männer sagen sinngemäss:

„Das funktioniert doch wunderbar. Warum sollte ich etwas daran ändern?“

Eine berechtigte Frage. Auf diese werden wir später noch zurückkommen.

Es entstehen regelrechte Autobahnen im Nervensystem.

Nicht weil Sexualität bewusst gelernt wurde, sondern weil dieselben Gewohnheiten immer wieder wiederholt wurden.

So entsteht das, was ich gerne einen erregungsorientierten Autopiloten nenne. Das kann die Sexualität mit mir selbst betreffen – und später genauso die Sexualität mit einem anderen Menschen.

Wird dieser Autopilot durch eine Musterunterbrechung gestört – etwa weil die Erektion plötzlich verschwindet, eine Berührung unangenehm wird oder Penetration schmerzhaft ist –, reagieren viele Menschen nicht mit Neugier.

Nicht mit der Frage:

„Was geschieht gerade in meinem Körper?”

Sondern sie versuchen möglichst rasch wieder Kontrolle zu gewinnen oder einen Ausweg aus der Situation zu finden.

Der gelebte Körper

An diesem Punkt beginnt für uns die eigentliche Sexologische Körperarbeit.

Denn unser Anliegen ist nicht in erster Linie, mehr Wissen über Sexualität zu vermitteln. Wissen ist wichtig. Gerade heute gibt es unzählige Informationen über Sexualität – und gleichzeitig ebenso viele Missverständnisse.

Unsere eigentliche Herausforderung besteht jedoch darin, dass viele Menschen ihren Körper noch immer vor allem als Objekt erleben.

Ken Robinson hat das einmal sehr treffend beschrieben. Sinngemäss sagte er, viele Professorinnen und Professoren würden ihren Körper hauptsächlich als Transportmittel benutzen, um ihren Kopf von einem Seminarraum zum nächsten zu bringen.

Mich berührt dieses Bild bis heute.

Denn genau hier beginnt für mich die eigentliche Frage:

Wie erlebe ich meinen Körper?

Ist mein Körper lediglich ein Objekt, das funktionieren, leisten oder möglichst attraktiv sein soll? Gerade in der heutigen Zeit dreht sich viel um Selbstoptimierung. Und oft geht es bei Selbstoptimierung um ein bestimmtes Ziel zu erreichen – nicht um sich selber zu erforschen und mehr mit sich in Kontakt zu kommen.

Oder erfahre ich ihn als Soma, als gelebten Körper (the lived body)?

Sexualität beginnt nicht im Kopf.

Aber sie wird dort häufig gesteuert.

Deshalb lernen viele Menschen zwar immer mehr über Sexualität, aber nur wenig in ihrer Sexualität.

Dabei geht es oft um ganz einfache Fragen.

Wie geht es eigentlich meinen Genitalien in der Selbstberührung?

Fühlen sie sich geliebt und erleben sie Wertschätzung? Oder stehen sie unter dem Anspruch, bereit zu sein und zu funktionieren, sobald der Kopf das will?

Oder noch einfacher:

Wie entspannt bin ich im Kontakt mit einem anderen Menschen?

Kann ich mich verletzlich zeigen?

Kann ich über Angst und Scham sprechen?

Nehme ich die Signale meines Körpers ernst?

Wie gehe ich mit Ambivalenzen um? Wenn ein Teil von mir jetzt Sex möchte und ein anderer nicht – kann ich mit dieser Spannung sein oder weiche ich mir selbst aus?

Genau hier beginnt für mich bewusstes sexuelles Lernen.

Und bitte nicht falsch verstehen.

Autobahnen haben ihre Berechtigung – und sie dürfen auch bleiben. Sie sind wunderbar praktisch, wenn ich möglichst schnell von A nach B kommen möchte.

Wer eine Landschaft jedoch wirklich erleben will, wird sich vielleicht auch einmal Zeit nehmen. Er verlässt die Autobahn, geht ein Stück zu Fuss, bleibt stehen oder setzt sich auf eine Bank.

Plötzlich geht es nicht mehr darum, möglichst schnell anzukommen.

Es geht darum, wahrzunehmen, was da draussen ist – und was das in mir auslöst.

Genau so verstehe ich auch sexuelles Lernen.

Es geht nicht nur darum, möglichst zuverlässig einen Orgasmus zu erreichen. Es geht darum, neugierig zu werden auf das, was unterwegs geschieht: im Körper, in der Erregung, in den Gefühlen, in der Begegnung mit einem anderen Menschen und in der Beziehung zu mir selbst.

Bewusstheit und Wahrnehmung

Damit sind wir beim nächsten grundlegenden Baustein.

David Schnarch stellt in Die Psychologie sexueller Leidenschaft eine einfache und gleichzeitig herausfordernde Frage:

Wo sind Sie mit Ihrem Kopf während der Sexualität?

Die meisten Menschen würden vermutlich antworten:

„Na hier.”

Wer beginnt, sich ernsthaft mit Sexualität auseinanderzusetzen, merkt jedoch schnell, wie anspruchsvoll diese Frage tatsächlich ist.

Wie oft schweifen wir in Gedanken ab?

Wie häufig nutzen wir Fantasien, um Erregung aufrechtzuerhalten?

Wie oft denken wir an den Alltag?

Oder wir verlieren den Kontakt zu unserem Körper, ohne es überhaupt zu bemerken.

Eine der überraschendsten Erfahrungen in der Sexologischen Körperarbeit ist deshalb, wie anspruchsvoll es sein kann, eine oder zwei Stunden einfach präsent zu bleiben.

  • präsent mit dem eigenen Körper.
  • präsent mit der Atmung.
  • präsent mit den eigenen Empfindungen.
  • präsent mit der Erregung.
  • präsent mit dem Gegenüber.

Denn genau hier beginnt verkörpertes sexuelles Lernen:

Nicht im Denken über Sexualität, sondern im bewussten Erleben von Sexualität.

Berührung und Dialog

Ein wichtiger Unterschied zu den meisten Formen der Sexualtherapie besteht darin, dass Berührung ein fester Bestandteil der Sexologischen Körperarbeit sein kann. Während klassische Sexualtherapien überwiegend im Gespräch arbeiten und Berührung zwischen Therapeut und Klient bewusst nicht vorgesehen ist, verstehen wir Berührung als ein bewusst eingesetztes Lernmedium.

Dabei geht es jedoch nicht in erster Linie um die Berührung durch einen anderen Menschen.

Die wahrscheinlich wichtigsten und grundlegendsten Methoden der Sexologischen Körperarbeit sind Selbsterforschung und Selbstberührung.

Denn eine zentrale Haltung unserer Arbeit lautet:

Das Lernen beginnt bei uns selbst.

Oder vielleicht noch treffender:

Wie werde ich zu einem ausserordentlichen Liebhaber für mich selbst?

Diese Frage begleitet mich schon viele Jahre.

Als ich damals in San Francisco einen Kurs bei zwei Sexological Bodyworkerinnen besuchte, lautete der Titel des Workshops:

How to Become an Extraordinary Lover

Damals verstand ich darunter vor allem die Frage:

Wie werde ich zu einem ausserordentlichen Liebhaber für einen anderen Menschen?

Heute würde ich den Titel etwas anders formulieren:

Wie werde ich zu einem ausserordentlichen Liebhaber für mich selbst?

Für mich beginnt genau hier eine selbstbestätigte Sexualität.

Denn wenn ich lerne, mir selbst mit Neugier, Wertschätzung und Liebe zu begegnen, verändert das nicht nur die Beziehung zu meinem Körper. Es verändert auch die Art, wie ich anderen Menschen begegne.

Selbstberührung ist deshalb weit mehr als eine Technik.

Sie wird zu einem Forschungsraum.

Zu einem Dialog mit meinem Körper.

Zu einem Ort, an dem ich lernen kann.

Natürlich gibt es in der Sexologischen Körperarbeit auch viele Methoden, bei denen wir Menschen berühren. Doch auch hier steht nicht die Berührung selbst im Mittelpunkt.

Berührung ist für uns kein Selbstzweck. Sie ist eine Form der Kommunikation und ein Raum für bewusstes Lernen.

Es geht darum,

  • die Signale des Körpers wahrzunehmen,
  • Grenzen zu spüren,
  • Grenzen auszudrücken,
  • Bedürfnisse zu entdecken,
  • Bedürfnisse mitzuteilen,
  • die eigene Erregung bewusster zu erleben
  • und neue Erfahrungen Schritt für Schritt zu integrieren.

Deshalb gehört auch der Dialog untrennbar zur Sexologischen Körperarbeit.

Berührung und Kommunikation bilden gemeinsam den Lernraum.

Oder anders gesagt:

Der Körper spricht – und wir lernen, ihm zuzuhören.

Für diese Lernprozesse nutzen wir am ISSB ganz unterschiedliche Methoden. Einige davon werde ich in weiteren Artikeln ausführlicher vorstellen und vertiefen.

Wer bereits jetzt selbst damit experimentieren möchte, findet in unserem Buch „Die Reise zur eigenen Körperweisheit“ viele praktische Übungen und Anregungen – sowohl für die eigene Selbsterforschung als auch für die gemeinsame Entdeckungsreise in einer Partnerschaft.

Den Link zum Buch findest du am Ende dieses Artikels.

Somatische Erfahrung und Integration

Was in der Trainingslehre als deliberate practice bezeichnet wird, ist in unserem Arbeitsfeld die somatische Praxis.

Natürlich gehören zu unseren Kursen und Lehrgängen auch theoretische Grundlagen und Wissensvermittlung. Gleichzeitig vermitteln wir eine einfache Grundhaltung: Wenn Menschen zeitlich überfordert sind, dürfen Bücher, Texte oder Videos warten. Die somatische Praxis nicht. Denn Wissen kann ich später nachholen. Entscheidend sind die Erfahrungen, die Menschen in den Übungen machen.

Das ist für mich ein spannender Gedanke. Es gibt heute unzählige Bücher, Podcasts, Filme und Kurse über Sexualität. Wenn nur ein Teil dieser Zeit in bewusste somatische Praxis investiert würde, sähe unsere Sexualkultur vermutlich anders aus.

Viele Menschen verlassen einen Kurs oder eine Sitzung oft begeistert und motiviert. Doch diese Motivation verflüchtigt sich oft schnell wieder im Strudel des Alltags. Und das was wir vermitteln ist keine Raketenwissenschaft und auch kein Geheimwissen. Es sind einfache Übungen, die Zeit, Wiederholung und einen bewussten Lernraum brauchen.

Damit aus einer Erfahrung Lernen wird, reicht es nicht, sie einfach gemacht zu haben. Entscheidend ist die bewusste Auseinandersetzung:

Was ist in dieser somatischen Erfahrung passiert?

Was habe ich über mich gelernt?

Was nehme ich in meinen Alltag mit?

Dabei gefällt mir die Unterscheidung zwischen Flow-Raum und Lernraum. Viele Menschen wünschen sich Sexualität als Flow-Raum – als einen Ort von Lust, Leichtigkeit und Verbindung. Das ist wunderbar. Schwieriger ist oft der Lernraum. Dort begegnen wir Scham, Ängsten, Unsicherheiten, Verletzungen und Ambivalenzen. Genau deshalb meiden viele Menschen diesen Raum.

Und doch liegt gerade dort sein grösstes Potenzial. Denn wenn wir diese Anteile integrieren, erleben wir uns mehr und mehr als ganze, sexuelle und selbstermächtigte Menschen. Das verändert die Beziehung zu uns selbst – und die Beziehung zu anderen.

Verkörperte Sexualität – eine Vision

In der Integralen Somatischen Beratung nennen wir dieses Ziel verkörperte Selbstführung. Für uns ist sie auch eine Vision für unsere Sexualität.

Verkörperte Selbstführung betrifft natürlich nicht nur Sexualität. Sie zeigt sich genauso in unseren Arbeitsbeziehungen, Freundschaften, Familien und intimen Partnerschaften.

Im Kern geht es darum, mit mir selbst in Verbindung zu bleiben und gleichzeitig aus dieser inneren Verbindung in Beziehung mit anderen Menschen zu treten.

Je wichtiger uns ein Mensch ist, desto herausfordernder wird das oft. Gerade dort begegnen wir unseren Schamthemen, Ängsten und Verletzlichkeiten.

Traue ich mich, etwas Schwieriges anzusprechen?

Traue ich mich, Grenzen zu setzen oder Bedürfnisse mitzuteilen?

Kann ich den anderen enttäuschen, ohne mich selbst zu verlieren?

Diese Fragen begegnen mir immer wieder in unseren Kursen.

Viele Menschen wünschen sich dann eine einfache Antwort.

Das ist die Situation – was ist jetzt die Lösung?

Meine Standardantwort lautet meist:

Es gibt selten die richtige Lösung. Es gibt meistens nur unterschiedliche Kompromisse.

Teile ich etwas, hat das Auswirkungen.

Teile ich es nicht, hat das ebenfalls Auswirkungen.

Was genau daraus entsteht, wissen wir vorher nicht.

Genau deshalb führt verkörperte Selbstführung nicht in die Sicherheit.

Sie ist vielmehr ein Lernen, sich in den Unsicherheiten und Komplexitäten des menschlichen Lebens immer besser zurechtzufinden.

Vielleicht ist sie gerade deshalb eine Vision.

Denn wir alle sind auf diesem Weg.

Auch wir, die mit diesen Themen arbeiten.

Annie Sprinkle hat das einmal wunderbar auf den Punkt gebracht:

“It’s endless.”

Nach über zwanzig Jahren in diesem Beruf kann ich das nur bestätigen.

Es bleibt ein fortwährendes Forschen.

Ein immer wieder neues Entdecken.

Und vielleicht ist genau das das Schönste daran.

Ich hoffe, dieser Artikel konnte dir einen ersten Einblick in die Sexologische Körperarbeit geben und dich neugierig machen auf dieses spannende Feld. In den kommenden Monaten werde ich viele der hier angesprochenen Themen weiter vertiefen.

Wenn du selbst erste Erfahrungen sammeln möchtest, gibt es an unserer Schule viele Möglichkeiten. Hier zwei aktuelle Beispiele:

22.–26. Juli – Die Reise zur eigenen Körperweisheit
Gemeinsam mit Andrea begleite ich diesen fünftägigen Kurs. Er setzt keinerlei Vorkenntnisse voraus und bietet einen tiefen Forschungsraum rund um Körper, Sexualität und verkörpertes Lernen.

Die Reise zur eigenen Körperweisheit Modul 1

9. August – Genitale Forschungsreise
Janine leitet diesen Tagesworkshop für Menschen, die neugierig sind, sich selbst und ihrem Körper mit mehr Bewusstheit und Offenheit zu begegnen. Auch hierfür sind keine Vorkenntnisse erforderlich.

Thementag – „Genital Exploration“ – Genitale Forschungsreise

Wenn du tiefer in unsere Methoden eintauchen möchtest, findest du viele Übungen und Anregungen in unserem Buch „Die Reise zur eigenen Körperweisheit“. Dieses gibt es auch als E-Book und auf Englisch. Hier der Link:

Die Reise zur eigenen Körperweisheit
https://bodyworkcenter.ch/wp-content/uploads/sites/7/2026/07/Was-ist-eigentlich-Sexologische-Koerperarbeit.jpg 1024 1535 Simon https://bodyworkcenter.ch/wp-content/uploads/sites/7/2022/10/Logo-ISSB-2022-Web.png Simon2026-07-05 16:54:592026-07-19 20:51:53Was ist eigentlich Sexologische Körperarbeit?
Berührung beginnt mit der Beziehung zu sich selbst

Berührung beginnt mit der Beziehung zu sich selbst

in Substack

Dies ist ein Artikel vom Substack – Die Reise zur eigenen Körperweisheit.

Der Banyanbaum gilt als Symbol für Verwurzelung und Verbundenheit. Vielleicht erinnert er uns daran, dass jede Beziehung mit der Beziehung zu uns selbst beginnt.

Was ich besonders liebe, sind Momente, in denen sich alte Traditionen, moderne Wissenschaft und Philosophie begegnen. Wenn Menschen vor Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden etwas intuitiv verstanden haben und wir heute langsam beginnen, dafür Worte und wissenschaftliche Erklärungen zu finden.

Lomi Lomi begleitet mich nun seit bald zwanzig Jahren.

Mein persönlicher Weg begann mit klassischer Massage, führte über Esalen-Massage, Tantramassage, Sexological Bodywork und viele andere Körperarbeitsformen. Als ich Janine kennenlernte, trafen zwei Welten aufeinander: Sie kam aus der Lomi-Lomi-Tradition und interessierte sich für die Welt der Tantramassage. So kam es, dass wir am Bodywork Center seit unseren Anfängen auch Lomi Lomi unterrichten.

Für mich gehört sie bis heute zu den schönsten und sinnlichsten Massageformen überhaupt.

Natürlich liegt das an der Massage selbst. An den fliessenden Bewegungen auf dem Öllaken. An der besonderen Art, den Körper nicht nur linear, sondern dreidimensional und oft fast tänzerisch zu berühren.

Doch je länger ich mich mit Lomi beschäftige, desto mehr glaube ich, dass ihre eigentliche Weisheit nicht in der Technik liegt.

Sie liegt in ihrem Verständnis von Beziehung.

Denn die hawaiianische Tradition wusste etwas, das heute durch Bindungsforschung, Neurowissenschaft und Somatik immer wieder bestätigt wird:

Berührung ist nicht einfach eine Technik. Berührung ist Beziehung.

Und jede Beziehung beginnt mit der Beziehung zu uns selbst.

In der hawaiianischen Tradition findet sich dafür der Satz:

Aloha kekahi i kekahi.

Liebe, ehre und achte einander.

Und vielleicht liesse sich derselbe Gedanke auch mit einem Satz aus der christlichen Tradition ausdrücken:

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Interessanterweise richten wir unsere Aufmerksamkeit oft auf den Nächsten und übersehen den zweiten Teil des Satzes.

Denn bevor wir einen anderen Menschen lieben, achten und ehren können, stellt sich eine andere Frage:

Wie begegnen wir eigentlich uns selbst?

Genau darum geht es in diesem Artikel.

Viele Menschen machen an unserer Schule eine ähnliche Reise. Meine persönliche Reise habe ich im Artikel Das Streben nach Exzellenz beschrieben.

Sie möchten Massage lernen.

Sie möchten Berührung lernen.

Und oft stehen zunächst Technik und Struktur im Vordergrund.

Das ist verständlich. Technik ist wichtig. Sie schafft Sicherheit, Orientierung und Handwerkszeug. Auch an unserer Schule vermitteln wir Techniken sehr sorgfältig.

Doch irgendwann geschieht etwas Interessantes.

Die Aufmerksamkeit verschiebt sich.

Die Frage lautet nicht mehr:

Wie mache ich es richtig?

Sondern:

Wie bin ich da?

Osho hat dies in seinem Text Berührung – die vergessene Sprache wunderbar formuliert:

Lerne die Technik und vergiss sie.

Er schreibt sinngemäss, dass zehn Prozent durch die Technik geschehen und neunzig Prozent durch die Liebe.

Ob die Zahlen nun stimmen oder nicht, spielt für mich keine grosse Rolle.

Die dahinterliegende Erkenntnis ist entscheidend:

Technik kann Berührung ermöglichen.

Doch Beziehung verleiht ihr Tiefe.

Und genau darauf basiert auch die hawaiianische Tradition.

In der hawaiianischen Tradition beginnt Berührung nicht erst auf der Haut. Sie beginnt in der eigenen Präsenz, in der inneren Ausrichtung und in der Bereitschaft, sich selbst und einem anderen Menschen mit Respekt und Aufmerksamkeit zu begegnen.

Die entscheidende Frage lautet nicht:

Was mache ich?

Sondern:

Wie bin ich da?

  • Wie betrete ich einen Raum?
  • Wie gut bin ich im Kontakt mit mir selbst?
  • Wie nehme ich wahr, was gerade da ist?
  • Wie begegne ich einem anderen Menschen?

Beginnen wir also mit einer kleinen Reise durch die Welt der Lomi Lomi – oder vielleicht noch genauer: durch eine Tradition, die uns daran erinnert, dass jede Form von Berührung mit einer Form von Beziehung beginnt.

Aloha beginnt bei dir selbst

Aloha wird häufig mit Liebe, Freundlichkeit oder Mitgefühl übersetzt. Doch Aloha ist mehr als ein freundlicher Gruss. Es beschreibt eine Haltung dem Leben gegenüber.

Wer Aloha lebt, begegnet Menschen mit Offenheit, Respekt und Wertschätzung. Gleichzeitig beinhaltet Aloha auch die Beziehung zu sich selbst. Denn wie sollen wir einem anderen Menschen mit Liebe und Achtung begegnen, wenn wir uns selbst ständig kritisieren, antreiben oder ablehnen?

In diesem Sinne beginnt Aloha nicht beim Gegenüber. Es beginnt bei uns selbst.

Die Kahuna-Tradition erinnert uns daran, dass äussere Beziehungen oft ein Spiegel unserer inneren Beziehung sind. Je klarer, liebevoller und ehrlicher wir mit uns selbst in Kontakt sind, desto leichter wird echte Begegnung mit anderen Menschen.

Pono – die innere Ausrichtung

Ein weiteres wichtiges hawaiianisches Konzept ist Pono.

Pono bedeutet nicht einfach «richtig» im moralischen Sinn. Es beschreibt einen Zustand von Stimmigkeit, Integrität und innerer Balance.

Bin ich mit meinen Gedanken, Gefühlen und Handlungen im Einklang?

Bin ich präsent mit dem, was gerade ist?

Handle ich aus Klarheit oder aus Angst?

In der Lomi-Lomi-Arbeit geht es deshalb nicht nur darum, etwas für andere zu tun. Es geht auch darum, immer wieder zu sich selbst zurückzukehren und die eigene Mitte zu finden.

Wer über längere Zeit Lomi praktiziert, merkt oft: Die entscheidende Frage ist nicht mehr «Was mache ich?», sondern «Wie bin ich da?»

Die Weisheit der Berührung

Interessanterweise finden wir ähnliche Gedanken heute auch in der modernen Wissenschaft wieder.

Die Neurowissenschaftlerin Rebecca Böhme beschreibt in ihrem Buch Human Touch, wie grundlegend Berührung für unser Wohlbefinden ist. Berührung ist kein Luxus, sondern ein menschliches Grundbedürfnis. Unser Nervensystem entwickelt sich in Beziehung. Von den ersten Momenten unseres Lebens an lernen wir durch gehalten werden, getragen werden, berührt werden und durch die Erfahrung von Nähe und Sicherheit.

Das mag zunächst selbstverständlich klingen. Doch in einer Zeit, in der viele Menschen täglich mit hunderten von digitalen Kontakten verbunden sind und sich gleichzeitig einsam fühlen, bekommt diese Erkenntnis eine neue Bedeutung.

Wir Menschen sind nicht dafür gemacht, isoliert zu leben.

Wir entwickeln uns in Beziehung.

Wir beruhigen uns in Beziehung.

Und oft finden wir auch zu uns selbst über Beziehung.

Besonders spannend ist dabei, dass es nicht einfach um die Menge der Berührung geht.

Entscheidend ist ihre Qualität.

Unser Nervensystem reagiert besonders positiv auf Berührung, wenn sie als sicher, freiwillig, respektvoll und verbunden erlebt wird. Eine Berührung kann beruhigen, Vertrauen fördern und Verbundenheit stärken. Sie kann Stress reduzieren und uns helfen, wieder bei uns selbst anzukommen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Werde ich berührt?

Sondern:

Wie werde ich berührt?

Und vielleicht noch wichtiger:

In welcher Qualität von Beziehung geschieht diese Berührung?

Hier begegnen sich moderne Neurowissenschaft und traditionelle Lomi-Weisheit auf erstaunliche Weise.

Denn genau das ist einer der zentralen Gedanken der Lomi-Lomi-Tradition:

Nicht jede Berührung ist gleich.

Entscheidend ist die Qualität der Präsenz, die Qualität der Beziehung und die Qualität des Kontakts, aus dem heraus Berührung entsteht.

Auf Rebecca Böhmes Arbeit bin ich übrigens nicht zuerst über die Neurowissenschaft gestossen, sondern über ihren Vater, den Philosophen Gernot Böhme.

Gemeinsam haben die beiden das Buch Über das Unbehagen im Wohlstand geschrieben. Darin beschreiben sie ein Phänomen, das viele Menschen kennen: Obwohl viele von uns in einer Zeit von Wohlstand, Freiheit und unzähligen Möglichkeiten leben, begleitet uns ein Gefühl von Unruhe, Druck oder einem schwer greifbaren Unbehagen.

Ihre These lautet, vereinfacht gesagt: Die Logik von Leistung, Wachstum und Optimierung hat längst Bereiche unseres Lebens erfasst, die ursprünglich einmal Orte von Begegnung, Genuss und Verbundenheit waren.

Freizeit wird zur Leistung.

Urlaub wird zur Leistung.

Spiritualität wird zur Leistung.

Sex wird zur Leistung.

Und manchmal sogar Berührung.

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, weshalb mich Lomi Lomi seit so vielen Jahren begleitet.

Denn die hawaiianische Tradition stellt eine andere Frage.

Nicht:

Was erreiche ich?

Sondern:

Wie bin ich da?

Nicht:

Wie optimiere ich diesen Moment?

Sondern:

Kann ich ihn überhaupt wahrnehmen?

In diesem Sinne ist Berührung weit mehr als eine Technik. Sie wird zu einer Einladung, für einen Moment aus dem ständigen Tun auszusteigen und wieder beim Sein anzukommen.

Vielleicht beginnt genau dort die eigentliche Heilung.

Nicht in dem, was wir tun.

Sondern in der Art und Weise, wie wir anwesend sind.

Die Lomi-Lomi-Perspektive

Die hawaiianische Tradition hätte für all diese Gedanken vermutlich andere Worte verwendet.

Sie spricht von Aloha, Mana und Pono.

Doch auch hier steht letztlich dieselbe Frage im Mittelpunkt:

Wie fühlt sich eine Begegnung an?

Wie fühlt sich Berührung an?

Wie fühlt sich der Raum an, in dem Menschen sich begegnen?

Vielleicht ist das eine der grossen Stärken der Lomi-Lomi-Tradition. Sie erinnert uns daran, dass Berührung nie nur auf der Haut geschieht.

In einer Lomi-Massage geht es nicht nur um Griffe, Abläufe oder Techniken. Es geht um den gesamten Erfahrungsraum: die Art, wie ein Mensch den Raum betritt, die Qualität seiner Präsenz, die innere Ausrichtung, die Aufmerksamkeit, die Musik, den Atem und die Haltung des Herzens. All dies wird wahrgenommen – oft lange bevor die erste Berührung stattfindet.

Die hawaiianische Tradition wusste dies schon lange, bevor moderne Neurowissenschaft und Philosophie dafür Begriffe fanden. Berührung war nie eine isolierte Technik. Sie war immer eingebettet in Beziehung, Präsenz, Ritual und Aloha.

Vielleicht beginnt deshalb Berührung schon vor der Berührung.

Vertrauen entsteht nicht erst, wenn eine Hand den Körper berührt. Es beginnt mit einem Blick, einer Stimme, einer Haltung und mit der Art, wie wir einen Raum betreten. Es beginnt mit der Frage, ob wir bereit sind, uns selbst wahrzunehmen – und von dort aus einem anderen Menschen zu begegnen.

Gerade deshalb gehören für mich Berührung, Selbstverantwortung, Grenzen und Vertrauen untrennbar zusammen. Vertrauen entsteht nicht einfach durch Nähe. Vertrauen wächst dort, wo Menschen ihre Grenzen wahrnehmen, kommunizieren und respektiert erleben.

Lomi Lomi erinnert uns daran, dass Berührung weit mehr ist als eine Technik. Sie ist eine Form von Beziehung. Eine Begegnung zwischen Menschen.

Genau dieselbe Erfahrung begegnet mir auch immer wieder in der Arbeit mit Paaren. Menschen kommen mit konkreten Themen: Kommunikation, Sexualität, unterschiedliche Bedürfnisse, Verletzungen oder Enttäuschungen. Natürlich schauen wir uns diese Themen an. Doch oft zeigt sich im Verlauf der Arbeit, dass das eigentliche Problem nicht das Thema selbst ist. Viel entscheidender ist die Frage, ob die beiden Menschen noch mit sich selbst und miteinander in Kontakt sind.

Wenn ein Paar mitten in einem Konflikt steckt, versuche ich deshalb häufig, den Fokus für einen Moment weg vom Problem und zurück zur Beziehung zu lenken. Was geschieht gerade in dir? Was fühlst du? Was nimmst du in deinem Körper wahr? Kannst du bei dir bleiben und gleichzeitig den anderen wahrnehmen?

Oft verändert sich bereits dadurch etwas. Nicht weil das Problem verschwunden wäre, sondern weil wieder Kontakt entsteht – Kontakt zu sich selbst und Kontakt zum Gegenüber.

Vielleicht ist das eine der tiefsten Lektionen, die ich sowohl aus der Lomi-Lomi-Tradition als auch aus der Paararbeit gelernt habe:

Heilung beginnt selten mit der Lösung eines Problems. Sie beginnt mit der Wiederherstellung von Kontakt.

Und aus meiner Sicht beginnt dieser Kontakt genau dort, wo dieser Artikel begonnen hat: bei der Beziehung zu uns selbst.

E mālama i ka pono.

Achte auf das, was stimmig, richtig und in Balance ist.

Wer Lust hat, noch etwas tiefer in die Welt der Lomi Lomi einzutauchen, findet weitere Informationen unter:

www.lomibodywork.ch

https://bodyworkcenter.ch/wp-content/uploads/sites/7/2026/06/Beruehrung-beginnt-mit-der-Beziehung-zu-sich-selbst.jpg 971 1456 Simon https://bodyworkcenter.ch/wp-content/uploads/sites/7/2022/10/Logo-ISSB-2022-Web.png Simon2026-06-24 12:12:202026-07-11 23:50:43Berührung beginnt mit der Beziehung zu sich selbst
Von Bindung zu Verbindung - Warum erwachsene Beziehungen Differenzierung brauchen

Von Bindung zu Verbindung – Warum erwachsene Beziehungen Differenzierung brauchen

in Substack

Dies ist ein Artikel vom Substack – Die Reise zur eigenen Körperweisheit.

In diesem Artikel geht es um ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt – weil es den Kern meiner Arbeit bildet.

Ich war über zehn Jahre eng mit David Schnarch und seiner Arbeit in vielen Weiterbildungen unterwegs und setze mich auch heute noch in verschiedenen Gruppen im Kontext des Crucible Institute intensiv mit Paartherapie und dem Thema Differenzierung auseinander. Was dabei auffällt: Die grosse Debatte, wie sie in den USA geführt wird – zwischen Bindungstheorie und Differenzierungstheorie – gibt es bei uns im deutschsprachigen Raum so kaum. Und doch ist deutlich spürbar, dass sich auch hier die Bindungstheorie (Attachment Theory) – gerade in der Paartherapie – viel stärker verbreitet hat als differenzierungsorientierte Ansätze.

Als Einstieg möchte ich eine erste Hypothese formulieren, die für manche vielleicht auch provokativ ist:

Bindungsorientierte Paartherapie ist für alle Beteiligten oft bequemer.

Für die Paare – und auch für die Therapeutinnen und Therapeuten.

Dabei geht es weniger um die konkreten Methoden in der Sitzung. Wenn man genau hinschaut, sind sich viele Ansätze in der Praxis gar nicht so unähnlich. Der entscheidende Unterschied liegt vielmehr in der Haltung, mit der wir auf Beziehung, Entwicklung und menschliches Erleben schauen. Diese Haltung prägt, wie wir als Practitioner – oder einfach als Menschen – unsere Realität konstruieren.

Natürlich erlebe ich immer wieder, dass Menschen sich danach sehnen, mehr Selbstverantwortung zu übernehmen, sich selbst zu führen und aus alten Mustern auszusteigen. Doch der Wunsch ist das eine – die Umsetzung etwas ganz anderes. Und genau hier zeigt sich, wie anspruchsvoll dieser Weg tatsächlich ist.

Meine eigene Haltung ist über die Jahre sehr klar geworden:

An der Differenzierung führt kein Weg vorbei.

Zu Beginn meiner Zeit mit David Schnarch war ich immer wieder erstaunt, wie deutlich – und teilweise auch scharf – er auf das Thema Bindungstheorie reagiert hat. Mit der Zeit wurde mir jedoch klar, was ihn daran so beschäftigt hat: Aus seiner Sicht wird die Realität von Paaren oft auf eine Weise konstruiert, die sie in einer bestimmten Dynamik festhält.

Am besten lässt sich das in seinen eigenen Worten nachvollziehen:

👉 

Was darin anklingt, erlebe ich auch in meiner eigenen Arbeit immer wieder: die Vorstellung, dass in Beziehungen etwas fehlt – dass Menschen zu weit auseinander sind und zu wenig Bindung da ist.

Heute würde ich es anders formulieren:

Viele Paare haben nicht zu wenig Bindung – sondern zu viel.

Wir sprechen hier von Verschmelzung.

Das Ziel ist nicht noch mehr Bindung – sondern Verbindung zu mir selbst und zum Gegenüber

Ich selbst war viele Jahre ziemlich verloren, wenn es um Beziehungen ging. Ich konnte mich schnell verlieben, intensive und aufregende Phasen erleben – und irgendwann haben die Schwierigkeiten begonnen. Ich habe oft nicht verstanden, was da eigentlich passiert ist. Ich war überfordert, habe andere verletzt und auch mich selbst. Es war eine ziemlich orientierungslose Zeit.

In meiner Sexological Bodywork-Ausbildung bin ich dann zum ersten Mal auf David Schnarch gestossen. Es war nur ein kurzer Ausschnitt aus seinem Buch Die Psychologie sexueller Leidenschaft – und eine Frage, die mich sofort gepackt hat:

„Wo sind Sie beim Sex in Ihrem Kopf?“

Diese Frage hat etwas in mir ausgelöst. Ich konnte sie nicht einfach beantworten – und genau das hat mich fasziniert.

Ich bin dann auf die Webseite des Crucible Institute in Evergreen, Colorado gegangen und hatte plötzlich diesen Gedanken: Da würde ich gerne einmal hingehen.

War es Zufall oder Schicksal – kurz darauf ergab sich die Gelegenheit. David Schnarch war in Stuttgart – mit einem eintägigen Workshop und einem dreitägigen Intensiv-Seminar. Ich habe beides gebucht.

Rückblickend würde ich sagen: Ich fand ihn zuerst ziemlich arrogant. Ich habe nicht wirklich verstanden, was er da tut – und gleichzeitig war ich tief berührt und fasziniert.

Weil etwas in mir wusste: Der sieht etwas, was ich nicht sehe.

Und vielleicht noch wichtiger:

Er hat mir etwas zurückgegeben, das ich innerlich schon fast aufgegeben hatte – die Hoffnung auf eine stabile, verbindliche Beziehung.

Denn die Vorstellung, ich müsse einfach die „richtige Person“ finden, damit es funktioniert – die hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits losgelassen.

Heute würde ich sagen: Ich war damals in einer Grauzone – ein Begriff aus der CET-Arbeit nach Jack Morin. Das Alte hat nicht mehr funktioniert – und war innerlich bereits verabschiedet. Aber das Neue war noch nicht greifbar.

Mit David kam eine neue Ausrichtung in mein Leben.

Rückblickend kann ich sagen: Meine Intuition war damals genau richtig – und dafür empfinde ich bis heute grosse Dankbarkeit, dass ich ihm begegnet bin und seinen Ansatz über viele Jahre hinweg integrieren konnte.

Nicht, dass Beziehungen dadurch einfach geworden wären oder das Leben plötzlich „funktioniert“.

Aber ich merke, wie ich über die Jahre mehr und mehr bei mir angekommen bin – und bei mir bleiben kann, auch wenn Spannung entsteht oder Nähe herausfordernd wird.

Und das Bild oben – die Raupe und der Schmetterling – zeigt für mich sehr schön:

Leben ist Veränderung.

Und Veränderung erzeugt Spannung.

Weil ein Teil in uns wachsen möchte – und ein anderer Teil möchte, dass alles so bleibt, wie es ist. Diese Ambivalenz kennen wir alle: Soll ich? Soll ich nicht? Möchte ich mich verändern – oder lieber nicht?

Diese Kräfte wirken in uns selbst. Und genau deshalb sind auch nahe, verbindliche Paarbeziehungen oft so spannungsgeladen. Auch in Eltern-Kind-Beziehungen, wo das Kind sich permanent verändert und mehr und mehr erwachsen wird, entstehen enorme Spannungsfelder.

In Paarbeziehungen bringen wir unser eigenes inneres Spannungsfeld mit – und dort trifft es auf das Spannungsfeld des anderen. Da einen gemeinsamen Weg zu finden, ist nicht so einfach.

Vor allem gibt es Themen, in denen nicht der eine Raupe bleiben kann und der andere Schmetterling. Zum Beispiel in der gemeinsamen Sexualität. Irgendwann wird die Spannung zu gross – und es bleiben oft nur zwei Wege: Entweder entwickelt sich die Raupe weiter. Oder der Schmetterling geht zurück. Falls dies dann noch möglich ist.

Hinzu kommt, dass wir in diesen nahen Beziehungen nicht nur das Hier und Jetzt mitbringen, sondern auch all die unverarbeiteten emotionalen Spannungsfelder aus unserer Kindheit. Und da sind wir bei der Bindungstheorie.

Das hier ist keine wissenschaftliche Arbeit – ich möchte es so erklären, dass es einordenbar wird. Wer tiefer einsteigen möchte, findet dazu sehr viele gute Bücher.

Die Grundidee ist:

Wachstum und gesunde Entwicklung brauchen Sicherheit.

Ein sicher gebundener Mensch kann in Verbindung bleiben – und gleichzeitig offen sein für Neues, für Entwicklung, für Exploration. Das sind im Grunde zwei zentrale Bewegungen: Bleibe ich in Verbindung? Und was passiert mit meiner explorativen Seite?

Die Bindungstheorie beschreibt, wie wir in unserer Entwicklung unterschiedliche Muster ausbilden – sogenannte Bindungsstile. Wichtig ist mir dabei: Das sind keine festen Zuschreibungen. Wir sind lebendige, komplexe Systeme und haben Zugang zu verschiedenen Mustern – je nach Kontext.

Ein Beispiel: der vermeidende und der ängstlich-ambivalente Bindungsstil. Man könnte denken, dass sich alles entspannt, wenn der vermeidende Partner offener wird. Meine Erfahrung ist oft eine andere: Die Dynamik dreht sich. Das zeigt: Es geht nicht um fixe Typen, sondern um lebendige Dynamiken.

In diesem Sinne beschreibt die Bindungstheorie sehr gut, wo wir herkommen – und welche Muster wir in unser erwachsenes Leben mitbringen.

Und sie hat sich weiterentwickelt. Zum Beispiel durch die Arbeit von Allan Schore, der stark betont, dass es im Kern um Regulation geht – vor allem um Prozesse der rechten Gehirnhälfte. Das ist spannend, weil hier eine erste Brücke entsteht.

Denn auch David Schnarch hat in seinen späteren Arbeiten immer wieder betont, dass es um eine rechtshemisphärische Therapie geht – und damit um Selbstregulation, besonders in Momenten von Stress, Nähe und Konflikt. Und auch darum, dass die Aufgabe der Practitioners ist, sich selbst zu differenzieren. Denn nur so können wir die Menschen die zu uns kommen in ihrer Differenzierung unterstützen.

Also: Regulation wird zentral.

Hier ein Ausschnitt aus einer Paarsitzung von Sue Johnson, einer Vertreterin der bindungsorientierten EFT (Emotional Focused Therapy). Dieser Clip bringt die unterschiedliche Herangehensweise gut auf den Punkt.

👉 

Ich sehe mich in vielem davon wieder. Ich helfe Menschen ebenfalls, sich in Stresssituationen zu regulieren und arbeite auch mit Re-Enactments.

Und doch zeigt dieser Clip für mich sehr klar, wo der Unterschied liegt. Der Satz vom Partner am Ende bringt es auf den Punkt:

„Who is doing it for me?“

Und genau hier beginnt für mich die entscheidende Differenz.

Wenn man sich die Szene genauer anschaut, wird etwas sehr Wichtiges sichtbar:

Der Mann wirkt nach aussen ruhig – aber innerlich ist er massiv unter Stress.

Er beschreibt das selbst sehr eindrücklich: Er hat „alle Finger im Damm, das Wasser läuft schon über.“

Das heisst: Sein System ist bereits überlastet.

Er hält nur noch – aber er ist nicht mehr wirklich reguliert.

Und genau in diesem Moment soll er nun seiner Partnerin Sicherheit geben.

Sie bittet ihn – aus einem bereits regulierteren Zustand heraus – um Bindungsbestätigung, damit sie sich weiter beruhigen kann.

Das Problem ist:

Er kann das in diesem Moment ziemlich sicher gar nicht leisten. Und vor allem wollen wir das in Konflikten oft auch nicht leisten.

Und genau hier würde ein differenzierungsorientierter Ansatz anders arbeiten.

Wir würden die Frau ebenfalls unterstützen, sich zu regulieren – das ist identisch.

Aber der nächste Schritt ist entscheidend:

Wenn sie sich beruhigt hat, fragt sie nicht nach Fremdbestätigung.

Sondern sie geht selbst in eine selbstbestätigende Haltung.

Das heisst konkret:

Sie übernimmt die Verantwortung für Bindung – aus sich selbst heraus.

In einer Sitzung könnte das zum Beispiel so klingen:

„Ich weiss, das ist gerade total schwierig für uns beide. Das ist ein heftiger Konflikt.

Und es tut mir leid, dass wir hier gerade drin sind.

Aber es ist mir wichtig, dass wir da durchgehen – auch wenn es schwierig ist.

Du bist mir wichtig. Und ich liebe dich.“

Der entscheidende Punkt ist:

Sie sagt das nicht, um ihn zu beruhigen.

Sie sagt es auch nicht, damit er sich verändert oder ihr etwas zurückgibt.

Sie sagt es, weil sie in sich weiss:

Das ist ihre Haltung. Das ist ihre Verantwortung – für sich selbst und für die Beziehung.

Und genau darin liegt die Chance:

Nicht garantiert – aber möglich –, dass sich auch sein System mit der Zeit beruhigt.

Das heisst:

Im Konflikt geht es nicht darum, dass einer den anderen reguliert.

Sondern darum, dass beide lernen, sich selbst zu regulieren – und aus dieser Regulation heraus in Verbindung zu gehen.

Und genau hier beginnt Differenzierung.

Die Differenzierungstheorie geht zurück auf Murray Bowen – interessant ist, dass sie ungefähr zur gleichen Zeit entstand wie die Bindungstheorie von John Bowlby und Mary Ainsworth.

Während die Bindungstheorie ursprünglich aus der frühen Kindentwicklung heraus gedacht wurde und beschreibt, wie sich unsere inneren Beziehungsmuster formen, hat Bowen von Anfang an ganze Beziehungssysteme im Blick gehabt.

Zwei Modelle aus derselben Zeit – und doch sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage, wie wir als Menschen mit Nähe und Spannung umgehen.

Eine der zentralen Annahmen von Bowen ist: Das grosse Thema in allen Beziehungssystemen ist Anxiety. Ein emotionaler Stresszustand, eine Spannung im System.

Die entscheidende Frage ist: Wie regulieren wir diese Spannung?

Differenzierung beschreibt den Prozess, sich aus der Abhängigkeit zu lösen, dass das Gegenüber mich regulieren muss – hin zu einer eigenen, tragfähigen Selbstregulation.

Und genau hier liegt der Unterschied:

Nicht der andere beruhigt mich – sondern ich beruhige mich selbst.

Wenn wir auf die Welt kommen, liegt unsere grosse Herausforderung darin: Wir können gut hochregulieren – aber nicht selbst beruhigen.. Einer der wichtigen Aufgaben ist den Kindern diese Selbstregulation und Selbstberuhigung zu lehren. So dass ich als Erwachsener mich in Stressituation selber beruhigen kann – das ist ein Mensch mit einer sicheren Bindung – Bindung zu sich selber und daraus ist die Verbindung zum gegenüber möglich.

Und aus dieser Selbstregulation heraus handle ich.

David Schnarch hat das dann als zentraler Teil in seine Paar- und Sexualtherapie eingebunden. Er nannte das Fremdbestätigung und Selbstbestätigung. Daher ich löse mich mehr und mehr aus der Abhängigkeit im Gegenüber und übernehme meine eigene Selbstführung. Und ganz wichtig:

Nicht, um etwas beim anderen zu bewirken – sondern weil es meine Haltung ist.

Das ist unbequem. Denn eine der Grundregeln lautet:

Die erste Person, die du konfrontierst, bist du selbst.

Und genau hier beginnt Veränderung. Nur ist das was wir in der Welt erleben eben oft genau umgekehrt. Wie wäre eine Politik, in der Parteien sich selbst konfrontieren und fragen: Was ist unser Anteil daran, dass wir nicht mehr in Verbindung sind mit der anderen Seite? Wie wäre eine Paartherapie, in der Menschen nicht zuerst den anderen konfrontieren, sondern sich selbst? Denn das führt sich beim Gegenüber nicht zu einer Öffnung und zu einer Bereitschaft sich zu verändern. Ich kann diesen Schritt nur fordern wenn ich ihn selber gehe.

Verstehen hilft mir, mich einzuordnen.

Veränderung entsteht erst, wenn ich beginne, anders zu handeln.

Hier ein Zitat von David, das es für mich gut auf den Punkt bringt::

👉 „You don’t think your life into a new way of living; you live your life into a new way of thinking.“

Und genau das ist der Differenzierungsprozess. Anstrengend, manchmal langwierig – aber lohnend.

Zum Schluss noch ein zentraler Punkt:

Beide Ansätze sind im Kern Regulationstheorien. Doch echte Selbstregulation braucht Verkörperung. Und da kommt unsere Arbeit ins Spiel.

Embodiment ist die Basis.

Erst wenn ich spüre, kann ich wahrnehmen, was in mir passiert. Erst dann kann ich diese Zustände halten. Und dieses Halten ermöglicht Verbindung – mit mir und mit anderen.

So entsteht aus Differenzierung nicht Distanz – sondern tiefere Verbindung.

Vielleicht lässt es sich so zusammenfassen:

Bindung erklärt, woher ich komme.

Differenzierung zeigt, wie ich erwachsen werde.

Verbindung ist das, was daraus entsteht.

https://bodyworkcenter.ch/wp-content/uploads/sites/7/2026/06/Von-Bindung-zu-Verbindung-Warum-erwachsene-Beziehungen-Differenzierung-brauchen.jpg 1122 1402 Simon https://bodyworkcenter.ch/wp-content/uploads/sites/7/2022/10/Logo-ISSB-2022-Web.png Simon2026-06-24 12:10:182026-07-11 23:52:00Von Bindung zu Verbindung – Warum erwachsene Beziehungen Differenzierung brauchen
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Der Beobachter hinterfragt die SRF-Reportage

Die Recherche zeigt zentrale blinde Flecken der «Impact»-Sendung auf: Zum einen wurden die engen beruflichen Verbindungen der beiden Hauptbelastungszeugen – Patrick Angele (Co-Präsident BVTM) und Patricia Heierli – nicht offengelegt; beide arbeiten in derselben Praxis. Zum anderen rudern sowohl SRF als auch Heierli beim Auslöser-Vorwurf zurück: „Analfisting“ sei im Kurs letztlich nicht praktiziert, sondern nur angekündigt worden – der Fokus liege nun auf einer behaupteten Grenzverletzung.

Bemerkenswert ist auch der Kontext: Die Ombudsstelle verzeichnet rekordhohe rund 90 Beanstandungen zur Sendung. Der Artikel stellt damit berechtigte Fragen zur Auswahl der Stimmen, zur Transparenz und zur Gewichtung der Vorwürfe.

👉 Zum Beobachter-Artikel: «Die haltlosen Vorwürfe machen uns fassungslos» (9. Oktober 2025)

Hier der Link:
https://www.beobachter.ch/magazin/gesellschaft/die-haltlosen-vorwurfe-machen-uns-fassungslos-869199

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